Herzlich willkommen in dem Podcast Triebwerk. In dieser Episode spreche ich mit jemandem, den ich schon etwas länger kenne, aufgrund meiner Beratungsleistung und ich bin echt dankbar, dass dieser Mensch heute hier ist. Sie ist gewählt worden von einem US-Branchenmedium als eine der 40 Women to Watch. Sie ist in die Geschäftsführung in der dritten Generation. Ich finde es schade, wenn man Menschen nur anhand seiner Positionen, wer mich kennt, weiß, dass das nicht so relevant ist, wählt, sondern ich finde toll und tough, wie sie es macht. Celine, schön, dass du hier bist. Ja, vielen Dank, dass ich hier sein darf. Celine, du bist ja, habe ich richtig zitiert, du gehst in die Geschäftsführung als Nachfolge in der dritten Generation der Klassengruppe.
Genau, also ich bin jetzt Teil der Geschäftsführung seit einigen Jahren, zunächst für die Vertriebsgesellschaften und dann für den Konzern und wir arbeiten gerade innerhalb der Familie daran, dass ich in die Übernahme des Familienunternehmens in der Rolle des CEOs gehe. Von außen betrachtet, Klassengroup sagt man als Name für den normalen Menschen erstmal nicht viel. Nein, wir sind Private Label Anbieter, wir sind Fußbodenproduzent und Türenproduzent. Unsere Türen tatsächlich findet man als Brand im Baumarkt, aber unseren Fußboden selten. Sicherlich gibt es auch den ein oder anderen Baumarkt in Deutschland, der uns unter der Brand Klassen listet.
Meistens sind wir aber klassischer Private Label Produzent, zumal wir eine sehr, sehr große Kapazität haben und darauf ausgelegt sind, große Volumen zu liefern und wir haben einen 90-prozentigen Exportanteil. Das heißt, auch in Deutschland ist unser Fußabdruck vorhanden als deutscher Produzent, aber wir konzentrieren uns sehr stark auf den internationalen Absatz. Fußboden, ich erinnere mich an ein Projekt, da ging es viel um das Thema Talatfrei. Erklär mir das für unsere Zuhörer. Also Familienunternehmen, wir tragen eine große Verantwortung sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für unsere Kunden. Kunden, da spreche ich sowohl von Baumärkten, Fachhandel, Großhandel, aber auch die Endkonsumenten, weil die sind letztendlich die, die unseren Umsatz machen.
Wir wollen einfach als Familienunternehmen mit unserer Verantwortung, die nicht irgendwelchen Gefahren aussetzen. Als das Thema PVC-Böden im Trend kam und immer stärker auch den Markt übernommen hat, den Fußbodenmarkt, also sowohl Parkett als auch Laminatboden als auch Fliesen haben massiv Marktanteile gegenüber PVC verloren. PVC bietet einfach unglaublich viele Vorteile oder Kunststoffböden im Allgemeinen. Sie sind sehr designvielfältig, sind sehr leicht in der Handhabung, unglaublich robust und deswegen ist es naheliegend, dass diese Kategorie sehr stark gewachsen ist, vor allem im internationalen Markt. Also USA ist unglaublich, das sind jährlich 500 Millionen Quadratmeter, die von diesem Produkt über die Kassen gehen.
Das kann man sich als Normalverbraucher gar nicht vorstellen, aber es ist halt auch ein sehr konsumstarker Markt, da wird viel renoviert und in Deutschland sind das ungefähr heute um die 35 Millionen Quadratmeter, die jedes Jahr über die Kassen laufen, von dem Produkt Kunststoffboden. Als wir dann angefangen haben, uns auch mit der Materie Kunststoff auseinanderzusetzen, wir waren ursprünglich Laminatbodenproduzent, also eher beschäftigt mit dem Werkstoff Holz, haben wir dann gesagt, okay, wir steigen auch in das Thema Kunststoff ein, haben dann unsere Kapazitäten, unsere Anlagenkapazitäten dafür genutzt, um Profile in die Planken reinzufräsen.
Also wir haben Sheets von Wettbewerbern gekauft, weil wir eben noch nicht das Know-how und die Anlagentechnologie bei uns in den Werken hatten, um eigene Kunststoff-Sheets zu produzieren. Deswegen haben wir dann Kunststoff-Sheets erstmal zugekauft, die dann profiliert und das aber nur für eine sehr kurze Zeit, weil wir mussten dann eben den Frässtaub, der als Abfallprodukt übrig blieb, entsorgen und sind dann sehr schnell darauf aufmerksam geworden, dass dieser Staub hochgiftig ist, dass den eigentlich niemand haben will. Moment, diesen Staub hat man dann auch nachher, wenn ich ihn verlege? Hätte man den? Hätte man auch, genau.
Also Talate sind eigentlich Weichmacher, die nicht fest im Kunststoff gebunden werden können, man braucht sie aber, PVC ist an sich von der Materie sehr spröde und man gibt eben Weichmacher hinzu, damit das Material flexibler und einfacher in der Handgebung ist. Und diese Talate oder diese Weichmacher, die können nicht fest in dem Produkt gebunden werden, die migrieren. Das heißt, die gehen über in die Raumluft, können sich dann in Staub niedersetzen und wir atmen sie ein und das bleibt nicht ohne Wirkung. Also die Weichmacher, die haben durchaus auch schon eine hormonell verändernde Wirkung auf uns und deswegen sind mittlerweile auch viele Weichmacher verboten.
Und ja, der Frässtaub, auch den, den konnten wir nicht gut loswerden, nicht gut entsorgen, weil eben auch damals noch vor 15, 20 Jahren noch wesentlich andere Weichmacher auf dem Markt eingesetzt wurden, die auch heute gar nicht mehr erlaubt sind. Und auch wenn die verbrannt werden, setzen sich giftige Dioxine frei in die Luft und ist unglaublich schädlich für die Umwelt und für die Gesundheit des Menschen. Und deswegen haben wir dann, long story short, unsere Entwicklungsarbeit sehr stark in einen alternativen Kunststoff gesetzt und haben dann für uns Polypropylen, das ist der meistverbreitete Kunststoff auf der Welt mit PET, haben wir dann PP ausgewählt und haben auf dieser Basis dann einen neuen Boden entwickelt, der eben komplett weichmacher und phthalatfrei ist.
Okay, das heißt, den Vorteil, den man hat, wenn man ein neues Produkt kaufen würde, ob jetzt gewhite labelled oder eben nicht, es ist phthalatfrei. Stelle ich mir nicht einfach vor, da gibt es bestimmt Menschen, die daran auch Geld verdienen, die nicht von der Klassengruppe sind. Ja. Okay, und die sagen dann wahrscheinlich, finden wir nicht so toll. Ja, also, aber es gibt große Bewegungen auf dem Markt, also auch die Politik international hat einiges getan, um eben auch PVC frei zu pushen und zu unterstützen. Es gibt verschiedene Regionen, wo PVC heute im Innenausbau schon komplett verboten ist, zum Beispiel Kalifornien.
In öffentlichen Gebäuden ist der Einsatz von PVC eben nicht mehr gestattet. PVC bedarf auch einer besonderen Kennzeichnung in den USA. Also, da gibt es durchaus schon Entwicklungen, warum der Fußbodenmarkt auch sich darüber einig ist, dass er davon weg will. Okay, du sprudelst jetzt mit so vielen Fachgenies, hätte ich jetzt gerne gesagt, heraus, finde ich aber total toll. Also, kurzum, eine tolle Entwicklung, aber ihr sprecht jetzt nicht von zehn Mitarbeitern. Ihr seid, wie stark, wie viele Mitarbeiter arbeiten bei der Klassengruppe? Heute zählen wir knapp 2.000 Mitarbeiter. Weltweit 1.300, davon ungefähr in Deutschland 1.350.
Und dann haben wir eben noch ein großes Thürenwerk in Polen, wo wir auch sehr stark angewiesen sind aufgrund eines eher manuellen Produktionsverfahrens auf Mitarbeitern. Okay, und jetzt nochmal zurückgehend auch vor allen Dingen auf die Entwicklung von dem Punkt Geschichte, wo ihr herkommt, hin zu dem, was ihr jetzt seid. Wie habt ihr denn angefangen? Also, ich stelle mir das jetzt vor, ich bin Start-up, ich habe deinen Opa angefangen und der hat jetzt nicht gesagt, ich mache jetzt einen Vinylboden und der soll talatfrei sein über die Dauer, sondern wie hat das angefangen? Wo ist der Startpunkt gewesen? Ja, mein Großvater ist Kaufmann.
Das heißt, er ist auch kein Ingenieur oder kommt auch nicht aus der Produktion, der ist Kaufmann, hat BWL studiert und wir kommen ja als Familie aus der Region Köln und hat dann schon während seines Studiums angefangen, sich als Großhändler zu engagieren. Also, er hat als Großhändler die Funktion übernommen, Baustellen zu beliefern, hat quasi Bauprodukte gesourcet und dann klassisch an die Baustelle geliefert. Und er ist einer, der muss immer tiefer reingehen in die Wertschöpfungskette. Der gibt sich nicht mit seinem Business zufrieden, sondern der geht maximal tief in die Wertschöpfungskette rein. Und so kam das dann, dass er eben auch in die Produktion dieser Produkte eingestiegen ist.
Zunächst Türen, Wandpaneele und dann, als dann um die 2000er herum Laminatboden immer stärker wurde, dann eben auch Laminatboden. Und ich muss auch sagen, unser Kerngeschäft heute ist auch immer noch der Laminatboden. Der Kunststoffboden hat eher einen relativ kleinen Anteil und das ist auch einfach dem geschuldet, dass der größte Wettbewerb im Bereich Kunststoff aus dem asiatischen Raum kommt. Das ist ein sehr fragmentierter Herstellermarkt. Das sind hunderte von Herstellern und im Laminatboden ist das sehr, die Branche ist sehr dominiert von Familienunternehmen aus der Dachregion. Die größten Hersteller im Bereich Laminatboden kommen alle aus der Dachregion.
Wir kennen uns auch alle untereinander. Ein großer Familienverbund sozusagen. Das ist eigentlich schön. Das heißt, man trifft sich auch, man schätzt auch Meinungen, man tauscht sich aus. Ja, also wir sehen uns immer mal auf Messen und wir kennen uns untereinander und wir wissen, womit wir alle zu kämpfen haben aktuell. Ist das ein Füreinander, kein Gegeneinander? Erlaube mir diese Frage. Wir kämpfen alle um die gleichen Gründe. Ich habe jetzt gerade auf der Digital X noch einen Vortrag von dem CEO von Siemens gehört, der gesagt hat, in einem schwachen Markt fängt der Verteilerkampf an. Das ist auch unser Problem im Bereich Fußboden aktuell.
Wir befinden uns in einem absoluten Verteilerkampf. Der Fußbodenmarkt ist um 40, 50 Prozent geschrumpft über die letzten vier, fünf Jahre und unsere Kapazitäten sind auf mehr Menge ausgelegt. Okay, verstehe ich. Da gehe ich direkt rein, weil das interessiert mich. Würdest du sagen, Corona hat Schuld daran? Nein. Also Corona war ehrlich gesagt ein absoluter Boom für uns. Wir haben 2021 unseren größten Umsatz gehabt. Wir waren an unserer absoluten Kapazitätsauslastungsgrenze. Wir führen immer noch aktuell das größte Laminatwerk der Welt, das größte zusammenhängende Laminatwerk der Welt. Wir sind nicht der Hersteller mit der größten weltweiten Kapazität, weil wir eben alles an einem Standort konzentrieren.
Aber dieser Standort ist der größte weltweit, ist in Brandenburg übrigens, für Laminatprodukte. Wahnsinn. So und jetzt hast du auch gerade von Asien gesprochen. Das heißt, ihr habt auch den Austausch in diese Richtung? Ja, also mein Schwerpunkt, also wir sehen den Kunststoffboden als strategisch wichtigstes Produkt bei uns im Konzern. Also der Laminatboden ist ein tolles Produkt. Ich kann auch jedem Endkonsumenten empfehlen, sich einen Laminatboden hinzulegen in sein Zuhause, weil es ist einfach ein absoluter Preis-Performance-Sieger, wenn man einen schönen Fußboden haben möchte bei sich zu Hause. Aber wir sehen den Kunststoffboden dennoch als strategisches Wachstumsfeld für uns und deswegen bin ich auch sehr stark engagiert in dem Feld.
Also meine Hauptaufgabe ist gerade auch die weltweite Skalierung des Kunststoffbodens für den Klassenkonzern und diese Wettbewerber kommen größtenteils aus Asien. Das heißt, du hast auch sehr viel mit asiatischen Kollegen, Unternehmen, ob es jetzt eben zubringende Unternehmen ist oder eben halt Abnehmer, zu tun. Ja, also das sind weder Zubringer noch Abnehmer. Also wir produzieren mittlerweile alles auch selbst. Wir kaufen die Rohstoffe bei uns ein. Wir sourcen nahezu alles in Europa, gerade an unseren Rohmaterialien. Ich glaube vier Prozent sourcen wir in den USA. Das ist ein bestimmter Kunststoff, den wir noch brauchen.
Aber ansonsten kommt alles gerade an Rohstoffen aus Europa. Und deswegen, die sind weder Zubringer von uns noch Abnehmer. China oder Asien ist kein Kunststoffmarkt. Die verabscheuen Kunststoff, stellen aber ganz viel davon her. Aber bei sich zu Hause wollen sie es selbst nicht haben. Warum nicht? Die haben eine starke Abneigung gegenüber Kunststoff. Woher das kommt, weiß ich nicht. Man hält das für billig. Ich weiß nicht, woher das kommt. Das ist ja also kulturell wahrscheinlich auch eine ganz andere Sache. Ich war noch nie in China, kann das nicht beurteilen. Also China, ne? Ja. Okay, du hast auch viele Kontakte Richtung China.
Das heißt, du beschäftigst dich auch ein bisschen mit der... Der größte Abnehmermarkt ist USA. Und der größte Herstellermarkt für das Produkt Kunststoffbund ist China. Nicht mehr. Okay. Aufgrund der Zölle. Das hat sehr viel Dynamik in dem Markt gebracht. Zum Politik und diesen Themen komme ich gleich. Das interessiert mich natürlich auch. Aber deswegen, meine chinesischen Kontakte, die sitzen heute vielleicht gar nicht mehr unbedingt in China. Die haben sich verteilt auf Vietnam, auf Thailand, auf andere Staaten dort, wo eben eine bessere Zollsituation herrscht. Aber ja, das sind größtenteils Chinesen, zu denen ich komme.
Ihr seid weltweit unterwegs. Ihr habt gute Kontakte in verschiedene Länder. Wie ist es für dich derzeit als Unternehmer in Deutschland? Ja, schwer. Dofe Frage, ich weiß. Ich stelle sie trotzdem. Ja, jetzt kann ich nur irgendwo ein Fettnäpfchen treten. Nee, ich finde nicht, weil wir sind hier in einem Podcast. Da geht es darum, die Wahrheit und auch ehrlich zu sein. Es bringt nichts, uns gegenseitig Geschichten zu erzählen. Das ist halt ein Märchen. Geschichten helfen nicht weiter. Also du sagst, es ist schwer. Was ist schwer? Ja, also ich hatte diese Woche noch Besuch von einem chinesischen, ich würde ihn Kollegen fast nennen, ist ein Wettbewerber von uns.
Er selbst ist 35, auch dritte Generation eines Familienunternehmens. Und er hat gesagt, ich bin ein World Citizen. Und ich finde das sehr zutreffend für meine Generation auch. Und so fühle ich mich auch. Ich kann gar nicht unbedingt, also ich würde mir von Deutschland einfach auch hoffen, das Niedrige schwelliger zu gestalten, international zusammenzuarbeiten. Weil wir haben es als Industrieunternehmen definitiv gerade nicht einfach in Deutschland mit einem sehr starken Wettbewerb aus dem Ausland. Und wir können nicht unsere Kapazitäten so einfach ins Ausland verlagern. Das funktioniert nicht. Warum nicht? Wir sind zu großes Investment.
Okay, das heißt, ihr würdet auch den Standort Deutschland weiter, lass mich das sagen, verteidigen und sagen, das ist gut und wichtig? Ja, also es geht auch gar nicht anders für uns persönlich. Aber ich habe auch zu vielen anderen deutschen Familienunternehmen Kontakt und ich weiß auch, dass es bei denen nicht so einfach geht. Und ich würde auch sagen, dass wir schon alle zum Standort stehen, aber so ein bisschen an unsere Grenzen kommen. Ich habe mich auch gerade tief damit auseinandergesetzt, wo verbringe ich eigentlich meine Zeit auf der Arbeit, was widme ich viel Zeit, was sollte ich mehr Zeit widmen, was weniger.
Und bei uns im Fokus steht schon ganz klar auch eben immer wieder das Umsetzen von neuen Richtlinien, von neuen Vorgaben. Und das beschäftigt uns schon sehr, sehr stark. Und da würde ich mir am deutschen Standort einfach mehr Unterstützung erhoffen. Also auch einen klareren Plan, was man eigentlich von unserer Industrie erwartet und wie man mit unserer Industrie in Deutschland umgehen möchte. Okay, stopp, ich habe ganz viele Fragen. Das ist, was würdest du dir wünschen? Mal angenommen, wir hätten die Möglichkeit, uns alles zu wünschen und irgendwas würde in Erfüllung gehen. Was wäre der erste Wunsch als Unternehmer, als Industrieunternehmer in Deutschland, den du gerne umgesetzt sehen möchtest, damit wieder Wachstum da ist?
Ein klares Commitment, dass man uns als Industrie hier überhaupt in Deutschland haben möchte. Und nicht nur haben möchte, um uns für Steuern auszusaugen. Also ich möchte China nicht idealisieren. Ich neige schnell dazu, weil ich einfach fasziniert von China bin. Aber die haben einen klaren Plan. Also es gibt einfach alle fünf Jahre ein klares Commitment, in welche Richtung richten wir uns als Gesellschaft, als Staat aus. Und dann weiß auch jeder, wo der Fokus drauf liegt und was man zu erwarten hat. Und hier gibt es gefühlt keinen klaren Plan. Ich weiß nicht, was darf ich gerade erwarten von Ihnen? Ich hatte eben ein tolles Interview.
Das ist eine andere Folge gewesen. Das war ein Rechtsanwalt. Und wir haben uns über das Thema Künstliche Intelligenz, da werden wir sicherlich auch noch zu kommen, und vor allen Dingen über die Rechtsprechung Deutschlands geteilt. Ich glaube, das größte Ding ist halt die Freiheit des Einzelnen. Das steht ja auch im Grundgesetz. Und ich glaube, auf der einen Seite wird das verteidigt. Auf der anderen Seite, wenn ich so als Verhaltensökonom die letzten Jahre sehe, sehe ich das nicht so. Also dann wird natürlich sehr gerne über Medien, über andere Länder gesprochen, aber das können wir als Menschen gar nicht verifizieren, weil wir nicht da waren.
Jetzt hast du natürlich andere Erfahrungen und sagst, ich wiederhole das. Naja, als China schauen wir, in welche Richtung wir uns gemeinschaftlich entwickeln, weil ... und dann wird eben halt auseinandergenommen, was ist die Richtung. Jetzt höre ich aber auch ganz viel, ich weiß nicht, das ist wahrscheinlich nur Subjektivität und Meinung, das ist aber ein Social Scoring System, das ist aber dies, das und jenes. Das ist Fake News. Das ist so der Moment, wo ich einfach ... Ja, aber ich verstehe das. China hat ganz viele Nachteile. Also ganz viele Nachteile. Und ich finde den Begriff Freiheit super spannend, darüber zu diskutieren, weil Freiheit jeder für sich anders definiert.
Und die Chinesen definieren Freiheit für sich über Sicherheit und die fühlen sich sehr sicher bei sich. Und die meisten. Ja, man kann nicht auf alle schließen, aber ich war jetzt im Mai zuletzt in China und habe unser Partnerunternehmen gefragt, das ist auch ... der ist Vertriebler, der reist sehr viel um die Welt, der ist überall unterwegs. Und ich habe ihn gefragt, wenn du dir aussuchen könntest auf der Welt, wo du leben dürftest, was wäre der Ort, den du wählen würdest? Und er hat mich ganz irritiert angeschaut, weil es für ihn so eindeutig war die Antwort. China. Und er meinte, der größte Punkt ist das Sicherheitsgefühl.
Er kann überall hingehen, egal zu welcher Uhrzeit, er fühlt sich immer sicher. Der zweite Punkt ist Affordability. Der kann gut dort leben, sich was leisten, für sich und seine Familie was erwirtschaften. Und das sind einfach Aspekte, die ihn dort sehr wohl fühlen lassen. Jetzt von dem chinesischen Unternehmen, von dem ich eben gesprochen habe, was ebenfalls jetzt in die dritte Generation übergeht. Er ist 35, er ist jetzt gerade nach San Francisco gezogen und lebt da jetzt seit einem Jahr. Und er hat zu mir gesagt, auch wieder zu dem Thema Freiheit, ich finde es irritierend, dass die Amerikaner für sich meinen, sie hätten das Rezept für Freiheit entdeckt.
Weil ich kann nachts nicht irgendwo, ich bin limitiert, ich bin eingeschränkt, da wo ich hingehe, weil es dort gefährlich ist. Ich kann nicht überall hingehen, ich darf nicht zu jeder Uhrzeit überall sein. Das ist doch keine Freiheit. Wie definieren die denn Freiheit für sich? Ich unterstütze das. Ich habe Verwandtschaft in Amerika mittlerweile und ich kann sagen, die sagen das und das sind Native und die sagen das selber. Ich ergänze das, ich habe viermal die tolle Möglichkeit gehabt, nach Katar zu reisen, wo ja alle so drüber meckern. Und ich habe festgestellt, die Menschen, die da leben, natürlich wirkt das alles wie eine aufgesetzte Bühne.
Aber die sagen selber, ja und? Wir haben uns dazu alle committet. Selbst der Taxifahrer aus Bangladesch, kann man in die Tiefe gehen, warum es anders ist, wie uns dargestellt wird. Und am Ende sagen die auch, die sind happy da und wissen, da ist eine Entwicklung. Und auch wenn der Taxifahrer hier sagt, gut, ich kriege jetzt hier, keine Ahnung, umgerechnet Y-Euro, viel davon schicke ich meiner Familie, die haben da viel weniger, in Bangladesch, in Pakistan, in Indien. Und sagen dann, meine große Chance sehe ich in Europa, weil da kann ich mehr Geld verdienen. Das ist der O-Ton. Und ja, da drüben wird auch viel kontrolliert, aber du hast nie das Gefühl, dass du kontrolliert wirst.
Das heißt, das, was du beschreibst aus China, wird wahrscheinlich in Katar ähnlich sein. Also ich war nie in China, kann das halt nicht beurteilen. Aber am Ende ist es so, wenn es, ich glaube, der springende Punkt ist, wenn Sicherheitsmechanismen dazu da sind, gewisse Dinge zu kontrollieren, die die schlechtesten Eigenschaften des Menschen unterdrücken, ist Sicherheit ein vernünftiges Werkzeug. Wenn aber Sicherheitsmechanismen dazu verwendet werden, den Menschen zu unterdrücken, nicht das Schlechte, sondern den Menschen, dann ist es eine sehr schlechte. Damit bringst du es zu 100 Prozent für mich auf den Punkt, weil ich tue mich auch schwer damit, mich da korrekt auszudrücken, weil natürlich kennen wir auch alle die Schattenseiten von Katar.
Wir kennen die Schattenseiten von China, wir kennen die Schattenseiten von Amerika. Und ja, da ist es natürlich schwer zu sagen, da ist alles besser und wir müssen aufpassen, das zu idealisieren, weil da stimmt vieles auch nicht. Aber das Thema Freiheit und Sicherheit, das lässt sich sicherlich in jedem Stadt anders definieren. Finde ich witzig, weil man darüber als Unternehmer in Deutschland, ich will ja auf das Thema zurückkommen, eigentlich viel darüber nachdenkt zu gehen, weil diese Dinge so schwer sind. Aber man liebt, was man hat. Da bin ich auch Patriot. Also das sage ich auch ganz… Ich liebe Deutschland. Ich bin auch total patriotisch.
Die Frage ist ja, ist ja heutzutage, wenn du schon politisch wirst, sehr schwer. Also du hast ja einfach, die Menschen wurden ja, das ist auch sehr einfach, erzählen eine Story und du teilst die Menschen ein in links und in rechts. Das ist so ein bisschen die Geschichte des Königs. Ja, da kommt der Berater und sagt, guck mal, vor meiner Türe stehen Fackelträger und Mistgabelträger, die wollen mich umbringen. Da sagt der Berater, ist einfach, lösen wir. Indem wir dem Fackelträger erzählen, der Feuerträger ist schuld und dem, nee, dem Fackelträger erzählen, der mit der Mistgabel ist schuld und der mit der Mistgabel, erzähle ich das andere.
Und dann gehen die sich alle gegenseitig an die Gurgel und der König sagt zu sich, es war einfach. So natürlich hat der König es dann einfach, aber die Bevölkerung schwer. Und Medien gemacht, muss ich ganz ehrlich sagen. Das ist ein ganz großes Problem. Ja, dieses Schubladendenken, das ist halt einfach tief verankert. Das ist aber auch deutsch sein. Ja, das ist vielleicht auch deutsch sein. Ja, also ich meine, ich bin auch oft in der Schublade drin. Also als Nachfolgerin wird man oft schnell in die Schublade gesteckt. Du bist, die wurde das alles in die Wiege gelegt. So, und da gehe ich direkt drauf ein. War das so?
Nein, null, null, null. Und ich glaube, damit tut man auch ganz vielen Familien, Unternehmern und Nachfolgern Unrecht, weil das ist definitiv kein einfacher Weg, den man da geht. Und würde ich, glaube ich, zehn meiner Freunde fragen, ob sie diesen Weg einschlagen wollen würden und mit mir tauschen wollen würden, würden sicherlich fast alle, weil sie mich gut kennen und wissen, wie aufopfernd das ist, würden sie wahrscheinlich alle nein sagen. Und das ist schon, muss schon eine bewusste Entscheidung sein. Und bei mir war es definitiv keine, war es eine sehr bewusste Entscheidung, weil es kein vorgezeichneter Weg war.
Ich hatte dir auch erzählt, ich bin 120 Kilometer entfernt vom Familienunternehmen aufgewachsen, überhaupt nicht im Dunstkreis des Unternehmens. Das heißt, wenn man, glaube ich, ein Familienunternehmen denkt, dann denkt man daran, ach, die ist schon in Pampers über den Hof dort gelaufen und hat mal an der Maschine mitgeholfen. Sag lieber Windin, Pampers wäre Procter & Gamble. Ja, entschuldige. Aber sowas nicht, sowas nicht, sondern 120 Kilometer entfernt, null Kontakt zum Unternehmen und das kam dann erst nach meinem ersten Job, wo meine Mutter mich dann gefragt hat, du verhältst dich wie eine Unternehmerin in dieser aktuellen Position.
Kannst du dir nicht vorstellen, das lieber bei uns einzubringen? Und dann war ich, nee, Fußboden ist ja total unsexy, ich will was Digitales machen. Aber habe es mir dann doch angeschaut und ich bin total dankbar, dass ich mit einem physischen Produkt arbeiten darf und in so einer international stark vernetzten Branche. Digitalen Internetseiten, das klingt total komisch. Ich komme aus dem Bereich und ich rede, als wenn das etwas ist, was man nicht haben will. Aber Thema ist ja auch viel KI. Wie geht ihr damit um? Ja, also ich glaube, wir haben Glück, oder meine Familie hat Glück, sage ich mit einem Augenzwinkern, weil ich ja zur dritten Generation dazuzähle.
Aber ich habe auch noch eine tolle Schwester und zwei tolle Schwestern. Aber auch eine Schwester, die sehr stark engagiert ist im Unternehmen hinsichtlich Prozesse und Verwaltung und nicht so stark eingebunden ist im operativen Geschäft, aber sehr stark eben bei unserer Verwaltung modernisiert. Und ich glaube, ohne das würde das gar nicht gelingen. Und deswegen Glück, da hat meine Familie oder auch das Unternehmen Glück, ja, dass da eine dritte Generation kommt, die diesen Mehrwert mitbringt. Einfach zu digitalisieren, stark zu verschlanken, Prozesse zu optimieren und das mit sehr viel Durchhaltevermögen und Konsistenz.
Und deswegen, wir setzen viel KI bei uns schon ein. Also ich glaube, es gibt so fünf Stufen von dem Einsatz von KI und wir befinden uns auf jeden Fall, denke ich, auf Stufe drei, wo wir wirklich schon KI bei uns in den Prozessen einsetzen und KI auch selbst denken lassen und arbeiten lassen. Aber mit einem Human in the Loop. Das heißt also, da ist immer noch ein Mensch dabei. Ja, genau. Und das hilft uns enorm. Und das Spannende ist, wenn ich mit meinen chinesischen Kollegen spreche, die sagen mir, wir sind so rasant in der Entwicklung von KI. Wer ist jetzt wir? Wir Chinesen. Aber wir setzen es nicht bei uns ein, weil Menschen sind so günstig hier, dass wir es nicht einsetzen müssen.
Oder dass keiner daran investieren will. In Deutschland ist das komplett anders. Ich habe es auch irgendwo in der Studie gelesen, bin mir aber nicht mehr sicher. Deswegen, ich möchte, vielleicht kannst du so einen Faktencheck machen. Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, Europa ist im Einsatz von KI wirklich für Prozesse schon sehr fortgeschritten. Gerade auch Deutschland. Also viele deutsche Unternehmen, glaube ich, setzen das schon sehr stark bei sich ein. Jetzt muss man natürlich aufpassen, dass nicht alles KI ist. Manchmal ist es auch einfach klassische Prozessautomatisierung. Aber wir sind wohl einer der Nationen, die das schon sehr viel bei sich einsetzt.
Einfach weil Arbeitskräfte schwierig zu finden sind und teuer sind. Ja, ich wollte es nicht sagen. Aber das wäre die nächste Frage. Es gibt halt sehr viele Diskussionen, wenn du den größten Unternehmenslenkern der Welt, ohne die Namen jetzt zu nennen, tatsächlich mal zuhörst. Die sprechen in den nächsten Jahren schon davon, dass man Menschen ersetzen kann. Jetzt künstliche Intelligenz. Ja, ich, wie gesagt, das darf ich eigentlich gar nicht sagen öffentlich. Ich finde es irgendwie schrecklich. Also ich finde es super, weil es viele Prozesse optimiert. Aber in mir klebt da die Leidenschaft in der Emotion und an Menschen.
Und wenn ich an unsere Kinder denke, ich habe ja selbst welche. In welcher Welt werden die aufwachsen, wenn künstliche Intelligenz, AGI ist. Also eine allgemeine Intelligenz, die in der Lage ist, Dinge vorzudenken, bevor du selber denkst. Und Jacob Coxon, ein paar Tage alt, hat gekündigt, weil er sagt, 2030 ist die KI in der Lage, den Menschen umzubringen. Dann ist noch ein Forscher gekündigt. Und bei Stephen Bartlett vor drei Monaten hat ein anderer Forscher offiziell gesagt, ich mache da nicht mit. Und er sollte wohl angeblich dann auch gewisse Vertragsmodalitäten nicht erfüllt bekommen, wenn er öffentlich was sagt.
So im Groben, ohne was Falsches zu sagen. Und am Ende hat das dann irgendwie doch diese Vertragsmodalität erfüllt bekommen, durfte aber dann auch gewisse Teile sagen. Also es ist ja jetzt nicht das erste Mal und auch vor allen Dingen nicht erst seit gestern, seit dieser Kündigung, dass wir wissen, dass die KI Fortschritte macht in einer Geschwindigkeit und wir ja eigentlich schon viel weiter sind als das, was wir wirklich in der Öffentlichkeit wissen. Jetzt muss ich mir die Frage stellen, okay, du bist ein Industrieunternehmen. Ich bin jetzt mal ganz rabiat und fasse das mal zusammen. Du kommst ja nicht weg. Du siehst, es ist komisch hier.
Du willst aber bleiben. Du liebst das Land. Du hast eine Verantwortung. Ich ziehe vor dir den Hut. 2000 Mitarbeiter, das machst dann du. Nicht ganz allein zwar, aber du machst das und du wirst es auch hinkriegen. Aber das macht ja was mit einem. Dann kommt das Thema KI und ich höre von den Medien. Ich höre aber auch von unserer Regierung nichts in der Richtung. Oder bin ich da blind und sehe irgendwas nicht? Ja, also ich glaube, so schwach wir in der Entwicklung von KI Technologie sind als Deutschland und als Europa, schätze ich dennoch die Skepsis und den Verstand, den wir versuchen anzuwenden, um KI einzusetzen.
Also auch Datenschutz ist natürlich in vielerlei Hinsicht hemmend, aber ich schätze dennoch den sehr kritischen Umgang damit. Ja, stimmt. Sollten wir haben. Ja, da in dem Punkt möchte ich mal Deutschland vielleicht auch ein bisschen recht tun, dass das gut ist, dass wir uns da … Aber was müssen wir denn tun, damit Unternehmer wie du in Deutschland mit Möglichkeiten des Wachstums durch neue Technologie nicht unbedingt die Fachkräfte ersetzen müssen durch Agenten, weil auch die Storys gibt es, irgendwie in der richtigen Kombination bereitstellen? Also ich meine, wir reden alle über ganz viele Sachen, aber nicht darüber.
Ja, ich glaube, es wäre falsch, die Entwicklung komplett auszubremsen, Fachkräfte mit durch KI zu ersetzen, weil dann stehen wir hinten an als Land. Das wäre falsch, weil diese Entwicklung passiert und ich bin ganz gespannt, was wir in den nächsten fünf Jahren dort erleben werden. Wir zum Glück in Deutschland sind es gelernt, hohe Steuern zu zahlen und auch eben in unserer Gesellschaft Leute aufzufangen, die eben nicht arbeitsfähig sind und das werden auch noch viel mehr Leute werden, weil einfach Prozesse zukünftig eben stärker durch Technologien … Aber das passt ja nicht zusammen. Ich nehme auf der einen Seite mehr Menschen auf und auf der anderen Seite habe ich eine KI und weiß eigentlich, die KI kann das übernehmen.
Das heißt, da geht die Schere ja noch weiter auseinander, in meinem Denken. Ich habe viele Menschen, egal, ich mache auch keinen Unterschied. Ich habe sie, sind da und auf der anderen Seite habe ich KI und weiß, Agents werden das übernehmen. Also wir müssen einfach als Land die Wertschöpfung hochhalten und die Wertschöpfung hochhalten können wir damit erreichen, dass wir eben dafür sorgen, dass Industrie hier bleibt an dem Standort Deutschland. Ja, dann muss es ja auch attraktiv machen, oder? Genau. Aber wie mache ich das attraktiv? Also dafür muss es erstmal einen Plan geben. Der erste Schritt wäre ein Commitment.
Ein Commitment, wir wollen euch hier haben, an dem Standort Deutschland. Wir wollen Industrie hier an dem Standort Deutschland haben. Dieses Commitment muss es erstmal geben und dann ist es doch ganz einfach. Also klar, eine Umsetzung nicht, aber was gehört dazu, damit unsere Wertschöpfung hier bleibt, damit Industrie hier bleibt? Und das sind eben die Versorgung von Rohstoffen inklusive Energie etc. Genehmigungsverfahren erleichtern. Wir hatten einen ganz schönen Fall bei uns im Werk in Kaisersäsch, wo wir eine PV-Anlage gebaut haben und Ewigkeiten auf eine Genehmigung warten mussten, letztendlich die Genehmigung erteilt bekommen haben, diese Anlage gebaut haben und dann wollten wir die baugleiche Anlage auf einem zweiten Feld spiegeln.
Die Genehmigung kam nicht, kam nicht, kam nicht, kam nicht, kam nicht. Mein Großvater ist mutiger Unternehmer, der hat gesagt, mit den Schultern gezuckt, ja, und hat gesagt, ich baue die jetzt einfach. Hat die ohne Genehmigung gebaut. Ja, dann flatterte der Bußgeldgescheit rein. Klar, das Geld wollte man dann abstammen, ja, aber da hat mein Großvater gesagt, meine Mutter hat das für sich schon verbucht, das Geld, ja, hat gesagt, okay, das werden wir wohl zahlen müssen. Das war das Risiko, was wir eingegangen sind. Hat gesagt, das zahle ich nicht. Ich zahle das nicht. Hat die Politiker eingeladen und mit denen verhandelt.
Wir mussten es nicht zahlen, aber das ist es halt. Einfach diese Genehmigungsprozesse vereinfachen, erleichtern, ja, und also da, wenn man einen klaren Plan hat, dann resultieren da auch Aufgaben eben heraus, die man gemeinsam als Gesellschaft bewerkstelligen kann. Ich höre da ganz viele Sachen raus. Erstmal Mut haben, also ob Unternehmer, Politiker, ist ja mal egal. Mut, auch zu sagen, ich gehe einfach einen Schritt weiter, weil sonst kommen wir hier nicht weiter und den Schritt musst du gehen, weil wenn du den nicht gehst, dann ja, dann ist das auch wieder typisch deutschbedingten Trägertum. Da gibt es ja diese schönen Kölschen Grundgesetze und eines davon heißt ja so viel wie, ach, alles bleibt, wie es ist.
Ich versuche das jetzt mal in Deutsch zu übersetzen und das eben nicht. Ja, ich finde, also wenn ich, recht zitierend auch von der Digital X, er hat gesagt, den großen Fehler, den wir machen, ist, dass wir nur Probleme sehen. Probleme, Probleme, Probleme. Es wird die ganze Zeit nur über Probleme gesprochen, aber Probleme, ein Problem kommt aus der Mathematik. Es wird nicht die mathematische Formel als Lösung dafür geben, um diese Probleme, sich denen entgegenzustellen, sondern wir müssen anfangen, darüber, über Herausforderungen, an Herausforderungen zu denken und an Herausforderungen zu arbeiten. Nur so können wir überhaupt was verbessern.
Wir denken aber immer, auch Politiker, die tun mir da auch leid in ihrer Aufgabe, ja, weil die haben ja nicht viel Zeit, um zu beweisen, dass sie Herausforderungen angehen wollen, weil man viel zu schnell auch ein Resultat erwartet. Jetzt mit KI ist es ja noch viel dramatischer, ja, ich bekomme, ich kann meine Anfrage senden und bekomme innerhalb von Sekunden die Lösung. Also die Erwartungshaltung von uns als Mensch ist ja auch immer höher, schnell eine Antwort zu halten, schnell eine Problemlösung zu haben und deswegen haben die auch keinen einfachen Job. Nur wenn sie stärker vielleicht überlegen, welche Herausforderungen haben wir und China, das Beispiel Fünf-Jahres-Plan, das ist auch kein Fünf-Jahres-Plan für die Lösung unserer Probleme.
Nein, weil du dich ja anpasst. Ja. Du entscheidest dich auf Basis der Situation, okay, es läuft gerade anders, wir müssen es ändern. Ja, es ist ein Fünf-Jahres-Plan, um diese Herausforderung anzugehen. Ja, ich habe nur die berechtigte Sorge, also ich meine, Politiker ist kein Unternehmer. Unser Staat ist kein Unternehmen. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Sie haben, treffen keine unternehmerischen Entscheidungen, können die auch gar nicht und ich würde mal glatt behaupten, das liegt nicht in dessen Fähigkeiten. Aber auf der anderen Seite ist da jetzt aktuell ein Riesengeb und ich will es schließen und jetzt sagst du, ja, lass uns eine Lösung denken.
Ja, herzlich willkommen, das wäre meine Welt. Ich liebe Probleme, weil ich sie lösen kann, wenn ich denn weiß wie. Aber ich, so wie du auch selber gesagt hast, ja, wir sehen nur Probleme. Also der Deutsche würde jetzt sagen, wir brauchen jetzt den einen oder die vielen, die jetzt die Probleme lösen. Aber auf der anderen Seite verschließen wir uns von neuen Möglichkeiten. Also ich sehe eine Wand, wenn ich ehrlich bin. Ich sehe einen Bus, ich sehe uns da drin sitzen und ich sehe eine Wand und ich sehe 400 km auf dem Tacho und die Richtung geht Richtung Wand. Ja, ich bin generell ein sehr optimistischer Mensch. Das heißt nicht, dass ich negativ bin.
Ja, Moment, wenn wir schnell genug sind, geht die Wand vielleicht kaputt. Ich sehe das eher so. Außerdem hat der Bus Türen und ich kann aussteigen. Also ich sehe nur gesamtgesellschaftlich ein Problem, weil wir uns alle nicht einig sind. Das ist das, was ich meine. Also eine Entwicklung konnten wir noch nie aufhalten. Die Welt hat sich immer weiterentwickelt und immer waren die Zeiten noch nie so schlimm wie heute. Also ich habe glücklicherweise meinen Großvater an meiner Seite, der sehr gelassen ist und sehr resilient jeglicher Situation gegenüber tritt. Also das hilft mir total. Hätte ich den nicht, könnte ich das sicherlich auch so gar nicht ausüben und gar nicht den Mut richtig behalten, weiterzumachen.
Aber er zuckt auch mancher mit den Schultern. Und das ist auch ein Learning, was ich von ihm habe. Ich war genauso. Wenn ich ein Problem vor mir gesehen habe, dachte ich, ich muss sofort eine Lösung dafür entwickeln, anstatt erst mal das Thema reifen zu lassen, die Hitzigkeit aus dem Thema über Zeit rausgehen lassen. Man darf nicht alles sofort anpacken. Das ist auch wirklich ein Thema unserer Generation. Wir dürfen nicht alles sofort machen, sondern vielleicht einfach mal drei, vier Tage liegen lassen, drei, vier Tage drüber schlafen, dann nochmal anschauen. Das ist meistens gar nicht mehr so schlimm. Ich kriege Freitagnachmittag oder Abend einen Anruf von Mitarbeitern von mir, die sagen, ich will dir echt nicht das Wochenende versauen, es tut mir so leid, aber bis nächste Woche Freitag müssen wir eine neue EU-Richtlinie umsetzen.
Wir müssen sofort einen Krisenstab einrufen. Also neue Mitarbeiter von mir. Ich sage, Andy, geh erst mal ins Wochenende. Alles gut, schauen wir uns am Montag an. Das ist toll. Wenn ihr jemanden braucht, Coach Celine. Ich finde das ganz toll, auch deine Offenheit. Ich glaube, man könnte das jetzt noch weiter vertiefen. Ich glaube, da würden noch mehr Dinge aus dir raussprudeln, die du offen und herzig hier auch sagst. Ich versuche das so ein bisschen zu lenken, aber wir kommen zum Ende der Folge. Zum Abschluss stelle ich immer eine sehr philosophische Frage, weil hinter all den Dingen haben wir eine begrenzte Zeit in unserem Leben.
Dann kommen wir immer auf das Ich, auf das Menschsein zurück. Da stelle ich die eine Frage, wer bist du ohne deine Position und ohne deinen Namen. Spannende Frage. Ich stelle mir die Frage auch ganz oft, was will ich eigentlich im Leben. Ich selber versuche mir wieder zu sagen, dass das Leben genauso eine Entwicklung und genauso ein Prozess ist. Ich darf nicht in Endzuständen denken, sondern muss einfach reinleben und es so nehmen, wie es kommt. Und deswegen, wer bin ich? Ich glaube, dass ich die Themen nehme, so wie sie kommen. Ich bin ein sehr genügsamer Mensch und ein sehr lebensfroher Mensch. Ich kann nicht so viel die Freude am Leben nehmen und ich glaube, das ist auch eine große Stärke von mir.
Ich bin einfach froh, wenn ich Problemen gegenüberstehe, Herausforderungen gegenüberstehe und darüber definiere ich auch mein Leben. Und wenn es nicht mehr das Unternehmen ist, dann ist es irgendwas anderes. Ich mag es, dass ich nicht ausgebremst werden kann als Mensch, sondern eigentlich alles machen darf in dieser westlichen Welt. Deswegen bin ich einfach ein glücklicher Mensch zum Glück. Dankeschön für diese ehrliche Antwort. So, meine lieben Podcast-Gäste, Ende der Folge. Wahnsinnsfolge. Vielen Dank nochmal und ich wünsche euch ganz viel Spaß und bis zur nächsten Folge.